15.03.2010

Schulmüdigkeit nährt Konflikte

„Soziales Lernen heißt nicht nur lernen, angemessen zu reagieren, wenn's brennt", sagt Jürgen Friedrich. Soziales Lernen sei vielmehr der Erwerb von Kompetenzen, die über die reine Gewaltprävention hinaus gehen. „Es sind Kompetenzen, die jeder in seinem Leben an vielen Stellen braucht", ist sich der Jugendförderer aus dem Fachbereich Jugend und Familie der Stadt Borken sicher.

Gemeinsam mit den beiden Hauptschulen in Borken, den dort tätigen Schuljugendarbeitern sowie mit der Unterstützung der Mitarbeiter des Jugendhauses Borken hat er ein Kompetenztrainings-Konzept erarbeitet, das in den fünften Klassen beginnt und sich fast bis zur Schulentlassung durchzieht.

Friedrich weiß: „Die Schulmüdigkeit ist der Nährboden für Konflikte." Deshalb beginnen er und seine Kollegen ihre vorbeugende
Arbeit in den neu zusammengewürfelten fünften Klassen. Bevor sich neue Strukturen verfestigen können, lernen die Mädchen
und Jungen unter dem Motto „Starke Kids, starke Klassengemeinschaften" über Gefühle und Befindlichkeiten zu sprechen,
Probleme zu formulieren und gemeinsam Lösungswege zu finden. In der sechsten Klasse schließt sich ein Aufbautraining an.
In diesem werden die sozialen Kompetenzen der Schüler weiter vertieft. In der siebten Klasse gebe es kein konkretes Projekt,
aber für die Achtklässler wieder. In Zusammenarbeit mit der evangelischen Jugendhilfe, die das Coolness-Training entwickelt hat,
geht es dann unter anderem darum, Verhaltensweisen zu lernen, aus der Opferrolle herauszukommen beziehungsweise gar nicht erst hineinzugeraten.

Bislang war damit das Kapitel „Kompetenztraining und Gewaltprävention" weitgehend abgeschlossen. Mit einer Finanzspritze der
Stiftung Aktive Bürger über 1500 Euro jedoch bietet sich Friedrich und seinen Mitstreitern nun eine Möglichkeit, das Coolness-Training in der neunten Klasse fortzusetzen. Und mehr noch: Die Schuljugendarbeiter, die im Projekt „Leben lernen" aktiv sind, absolvieren eine Qualifikation, um eine kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Dazu trägt laut Friedrich auch die Vernetzung der einzelnen Akteure bei.

Gemeinsam könnten den jungen Menschen auf diese Weise Kompetenzen vermittelt werden, die über Gewaltprävention hinaus gehen.Und wer hat diese vorbeugende Arbeit nötiger — Mädchen oder Jungen? „Beide", betont Friedrich. Denn während sich Gewalt bei Jungen eher in körperlichen Auseinandersetzungen äußere und die Folgen sichtbar sein, beherrschten Mädchen die Form der psychischen Gewalt. „Ausgrenzungen, Menschen Label verpassen und psychischer Druck", das seien die Methoden der jungen Frauen.


Stellvertretend nahm der Konrektor der Remigiusschule Axel Heinze den Scheck von der Vorsitzenden der Stiftung Aktive Bürger", Elisabeth Hüls entgegen. Foto: Jürgen Friedrich

[Quelle: Borkener Zeitung, 19.03.2010]